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Druckkochtöpfe und zweischneidige Schwerter

04.04.2016


Chef sein, ist ein zweischneidiges Schwert

Einerseits winkt Erfüllung durch die Tatsache, ein (bestenfalls) erfolgreiches Unternehmen zu führen, durch täglich neue Herausforderungen, viel Action und den einen oder anderen Euro am Konto. Andererseits lebt man ständig am Limit, trägt enorme Verantwortung und muss laufend Dinge ins Rollen bringen, ohne unter letztere zu kommen. Und rollt tagtäglich einen riesigen Stein den Berg hinauf, ohne aus der Rolle zu fallen.

Im Idealfall werden diese Leistungen nicht nur durch den erwähnten einen oder anderen Euro aufgewogen, sondern auch durch ein positives Echo aus der Belegschaft. Eine starke, auf Wertschätzung basierende Basis mit den Mitarbeitern und das Team als zweite Familie: Das sind die Früchte von gelungenem Employer Branding.

Wie das Chef-Mitarbeiter-Verhältnis nicht zum zwischenmenschlichen Damoklesschwert und die feine Klinge des alltäglichen Austauschs nicht zur Machete wird? Da war doch was von Selbsterkenntnis und dem Weg zur Besserung...

Wir möchten Ihnen dabei helfen und bieten Ihnen einen Querschnitt durch verschiedene Typen von Chefs. Sie erkennen sich wieder? Sehr gut! Daraus können Lösungsansätze für die friedliche Koexistenz zwischen Kaffeemaschine und Kopierer entstehen.

Typ 1: Der Professor.

Strenge Schale, weiser Kern. Er verschanzt sich gerne hinter einem mannshohen Turm aus Qualitätszeitungen, Fachliteratur und wissenschaftlichen Texten, die er in mühevoller Kleinarbeit in seiner spärlich vorhandenen Freizeit zusammensucht und feinsäuberlich aufstapelt. Sein Gehirn ist sein Kapital. Entsprechend wenig bewegt er sich. Er hortet den Großteil seiner Energie fürs Denken, Lenken und die Kopfarbeit, die er täglich im 12-Stunden-Rahmen leistet. Sein Sprechmodus wird von klaren Ansagen, bestehend aus noch klarerem Vokabular geprägt. Diese Knappheit kann von jugendlichen Berufsneulingen oft als persönliche Abneigung und übermäßige Strenge interpretiert werden. Mitarbeiter älteren Semesters könnten sich vom Typ Professor schnell mal gegängelt fühlen.

Das Problem: Der Professor wirkt oft abschreckend, bieder, schwer zugänglich und aufgrund seiner bewegungsarmen Lebensweise öfter mal eher tot als lebendig.

Die Lösung für Chefs: Lassen Sie sich nicht beirren. Schenken Sie dem gesamten Team ein Jahresabo Ihrer Lieblingszeitung, so ist täglich für Gesprächsstoff gesorgt. Ansonsten machen Sie das Kreuzworträtsel gemeinsam in der Mittagspause. So oder so: Alles wird gut.

Die Lösung für Mitarbeiter: Lassen Sie sich nicht beirren. Bringen Sie stets kleine Erfolge vor und nutzen Sie aktiv den Professor als intellektuellen Sparringpartner. Alles wird gut.

Typ 2: Der Buddy.

Ist noch relativ jung oder bezeichnet sich selbst als „junggeblieben“. Bringt seine Umgebung durch erzwungen-lässige Jugendsprache von vor 10 Jahren oder mit bunter, ironischer Kleidung an den Rand der optischen Verzweiflung und Fremdscham. Zusammengefasst: Er hadert mit seinem Älterwerden und möchte – falls Sie jünger sind als er – unbedingt Ihr Freund sein.

Das Problem: Oft ist beim Umgang mit dem Buddy nicht klar, wo die Grenze zwischen Chef und Privatperson, zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter zu ziehen ist. Nicht nur verwirrend für Mitarbeiter, sondern auch für den Buddy selbst oft hinderlich. Arbeitsanweisungen werden seinerseits oft optional rübergebracht – so entstehen leicht Missverständnisse und gordische Knoten im logischen Strang von Geschäftsabläufen.

Die Lösung für Chefs: Suchen Sie zuhause den Ordner mit Ihren persönlichen Dokumenten. Checken Sie Ihre Geburtsurkunde. Sollte dort eine Jahreszahl stehen, in der gerade die Berliner Mauer hochgezogen wurde und/oder Prog-Rock der neue heiße Scheiß war, überdenken Sie ihre Sprechmuster und Kleidung.

Die Lösung für Mitarbeiter: Warten, bis Sie und Ihr Chef dasselbe geistige Alter erreicht haben. Wenn’s hart auf hart kommt: Machen Sie ihm ein Kompliment zu seinem übertriebensten Outfit und konzentrieren Sie sich weiter auf Ihre Arbeit – auch wenn Sie von seinen psychedelischen Hemden mit bunten Mandelbrot-Mustern an den Rand des sensorischen Kollapses getrieben werden.

Typ 3: Two-Face.

Der Druckkochtopf im Schafspelz. Explodiert, wenn er nicht oft genug seinen Deckel lautstark öffnet. Macht gerne gute Miene zum bösen Spiel, aber im Grunde gibt es bei ihm nur die Gemütszustände „Klaus Kinsky on set“ oder schmuseschmeichelweich. Kurz gesagt: Er ist ein Choleriker, der auf seiner eigenen Welle an Stimmungsschwankungen durch den Arbeitsalltag surft. Mit ihm klarzukommen, ist auf Dauer schwer möglich.

Das Problem: ... ist eigentlich oben schon formuliert.

Die Lösung für Chefs: Halten Sie sich die Möglichkeit offen, Ihre Profession zu wechseln und versuchen Sie, an Werner Herzogs Kontakt zu kommen. Ansonsten lassen Sie Ihren Energien in einem Improvisationstheaterverein oder bei der Schreitherapie freien Lauf, bevor Sie in der Arbeit die Belegschaft mit Ihren Launen begeistern. Sollte sich keine Besserung einstellen: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Die Lösung für Mitarbeiter: Kaufen Sie sich Ratgeber zu den Themen Stoizismus und Zen-Buddhismus. Geben Sie Ihrem Chef eine Bühne und werden Sie ein Meister der Selbstkontrolle. Sollte sich keine Besserung einstellen: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Typ 4: Der Situationselastische.

Auf den Punkt gebracht: Entscheiden und Führen ist eigentlich so gar nicht sein Ding. Er lässt sich gerne treiben, probiert’s – zu oft – mal mit Gemütlichkeit und das größte Problem ist, dass er den Kopf gerne mal in den Wolken hat. Klare Worte sind von ihm selten zu hören, genauso wenig wie eine standhafte Meinung, wenn eigentlich eine pressieren würde.

Das Problem: Ganz ähnlich wie beim Typ Buddy – als Mitarbeiter weiß man nicht, ob (und wann) man sich auf ihn verlassen kann. Dadurch können Mitarbeiter aber ganz prima unfreiwillig ihre Autodidaktik-Skills trainieren.

Die Lösung für Chefs: Machen Sie sich klar, dass Ihre Mitarbeiter das Kapital Ihres Unternehmens sind. Fördern und fordern Sie, den Talenten Ihrer Mitarbeiter entsprechend und zwingen Sie niemanden in unbestimmte Rollen.

Die Lösung für Mitarbeiter: Reden. Dem Chef klarmachen, dass nonchalante Arbeits- und Führungsweise manchmal was Schönes sind, aber man eigentlich zu wenig Gehalt vom Chef bekommt, um selbigem täglich seine Entscheidungen abzunehmen.

Was kann man als (guter) Chef nun tun?

Wie bringt man die Dinge ins Rollen, ohne selbst unter die Räder zu kommen? Vielleicht mit gezieltem Employer Branding von plenos

Glück auf! Alles wird gut.