Baukommunikation Teil 2

07.09.2018


Wie Sie Bauvorhaben richtig intern kommunizieren

Baukommunikation Teil 2

Die interne Kommunikation nimmt aufgrund ihrer erfolgskritischen Bedeutung eine zentrale Rolle in der Projektarbeit von Bauvorhaben ein. Sie zieht sich von Beginn an durch alle Phasen eines Projektes. Dazu gehört der gesamte Informationsfluss, Informationsaustausch, sowie die Rückmeldung innerhalb einer Projektorganisation.

Jedes menschliche Miteinander läuft auf zwei Ebenen ab: einerseits auf der Sach- oder Inhaltsebene und andererseits auf der Gefühls- oder Beziehungsebene. Das Match lautet also Ratio vs. Empathie.

Erfolgversprechende interne Kommunikation sollte dialogorientiert ablaufen. Das heißt, dass sie von unten nach oben ebenso durchlässig ist wie horizontal. Zusätzlich zum schriftlichen Mailverkehr sollte die Projektkommunikation auf alle Fälle auch persönlich stattfinden.

Ratio vs. Empathie

Die Sachebene bezeichnet das, worüber offiziell gesprochen wird, dagegen bleibt die nicht so offensichtliche Beziehungsebene in der Regel unter der Oberfläche. Die schriftliche Kommunikation bringt den Vorteil mit sich, dass Informationen gezielt und direkt an den Adressaten gerichtet werden. Der Nachteil dabei ist, dass nicht klar ist, welche Reaktion die Informationen erzeugen und auch eine direkte Rückmeldung länger dauert. Auch ist die Wahrscheinlichkeit, dass in einer Flut an e-Mails Wichtiges untergeht, immer groß. Nützen wir also die Flexibilität und Effizienz, die moderne Kommunikationsmedien ermöglichen und fügen wir das notwendige Fein und Taktgefühl dazu und schon können viele Probleme vermieden werden. Geschickt gemanagt bietet die informelle Kommunikation zusätzlich die Möglichkeit, positiv auf die Zusammenarbeit einzuwirken.

Die Herausforderung für die Personen, die die interne Kommunikation steuern und damit die Projektkultur fördern sollen, ist es, die Balance zwischen Formalität (die Techniker präferieren) und Informalität (die Kommunikatoren schätzen) zu finden.

In der informellen internen Kommunikation wird sinnvollerweise vor allem auf dialogische Instrumente gesetzt. Die meisten Menschen reden verständlicher als sie schreiben – und es gibt die Möglichkeit unmittelbarer Nachfragen.

Durch intensiven Dialog und eine aktive Einbindungsstrategie von Mitarbeitern im Projekt lassen sich Probleme bei der internen Kommunikation erkennen und vermeiden oder im Notfall auch lösen. Interpersonelle Kommunikation braucht den Dialog, der aber auch seine Tücken in der Vermittlung von Inhalten hat. Letztlich heißt verstanden haben nicht, dass man mit dem Inhalt auch einverstanden ist und schon gar nicht, dass nach dem Verständnis gehandelt wird.

Wie bei einem Eisberg schlummert ein großer Teil der Kommunikation unter der Oberfläche. Das bedeutet, dass auf der Sachebene nur möglich ist, was die Beziehungsebene zulässt, denn wenn man miteinander „nicht kann“, wird in der Sache nicht viel vorangehen.

Wenn ein Mediator eingesetzt wird, muss dieser die Kunst beherrschen, sich als Teilnehmer in der Sache zu engagieren, sich aber zugleich inhaltlich neutral zu verhalten. Das gelingt am ehesten mit Gruppenarbeitsmethoden und einer fragenden Haltung. Meist helfen hier Gespräche unter vier Augen, bei denen individuellen Zielkonflikten, Vorbehalten, persönlichen Aversionen und ähnlichem nachgegangen wird. Gehen Sie nie ohne ein konkretes Ziel in die Aussprache und verzichten Sie auf Vorwürfe. Lassen Sie Ihr vis-a-vis über das reden, was aus seiner Sicht das Projekt voranbringt, was es hemmt und wie die Zusammenarbeit weitergebracht werden kann.


Dr. Wolfgang Immerschitt ist Geschäftsführer der Agentur Plenos und langjähriger Lektor an der Fachhochschule Hagenberg (Oberösterreich). Im Rahmen seiner Publikationen beim Verlag Springer Gabler beschäftigte er sich eingehend mit dem Thema der aktiven Kommunikation von Bauprojekten. 2017 erschien das Buch „Kommunikationsmanagement von Bauprojekten“.