News

Das Recht am eigenen Bild

02.05.2016


Zur falschen Zeit am falschen Ort, ein seltsamer Gesichtsausdruck oder im unpassenden Moment abgedrückt. Heutzutage kann es schnell passieren, dass man sich – ungewollt – auf einem Foto entdeckt, welches im Netz kursiert. Doch wo beginnen die Grenzen des Persönlichkeitsrechts und wo hören sie auf? 

Prinzipiell gilt: Bei jedem Bild ist das Recht des Abgebildeten zu beachten – egal, ob die Person auf der Straße, bei einer Veranstaltung, bei einem Konzert oder für eine Portraitaufnahme abgelichtet wurde. Grundsätzlich darf jeder selbst bestimmen, ob er fotografiert wird und ob diese Bilder im Anschluss publiziert werden dürfen. Hier ist die Rede vom so genannten „Recht am eigenen Bild“. 

Sobald die abgebildete Person eindeutig erkennbar ist (aufgrund der Haarfarbe, Haltung, Gesicht, etc.) wird eine Zustimmung erforderlich – am besten schriftlich. Werden Personen unter 18 Jahren fotografiert, ist die Zustimmung der Erziehungsberechtigten einzuholen. Stimmt der Abgebildete einer Aufnahme und Veröffentlichung zu, darf der Fotograf das Bild in dem Umfang verwenden, in welchem die Person eingewilligt hat. Als „stillschweigende“ Zustimmung gilt übrigens auch das bewusste in Szene setzen („Posen“). Ob die Veröffentlichung eines Bildes zulässig ist, hängt auch von den Bildunterschriften, Begleittexten und dem Gesamtzusammenhang (Verwendung für Werbezwecke, Preisgabe des Privatlebens, Bloßstellung, etc.) ab.

Was passiert, wenn ein Bild ohne vorherige Zustimmung veröffentlicht wurde?

Die abgebildete Person kann die weitere Verwertung des Fotos verbieten, den Fotografen abmahnen (Abmahn-/Anwaltskosten) bzw. im Falle einer Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Abgebildeten auch Schmerzensgeld fordern.

Ausnahmen

Aufgrund der strengen Rechtsprechung wäre die Kunst- und Pressefreiheit stark eingeschränkt. Deshalb sieht das Gesetz die folgenden drei Ausnahmen vor, welche die Veröffentlichung von Personenfotos auch ohne Einwilligung der abgebildeten Person erlauben:

- Bilder von Menschenansammlungen
- Bilder aus dem Bereich der Zeitgeschichte
- Bilder, auf denen die Person nur als Beiwerk erscheint

Wer an öffentlichen Veranstaltungen (= frei zugänglich) teilnimmt, muss damit rechnen, abgebildet zu werden. Es muss jedoch die Veranstaltung im Vordergrund der Aufnahme stehen und nicht das Individuum. Ein Teilnehmer darf also nicht aus der Anonymität der Masse herausgestellt werden. Das gilt etwa für Konzerte, Umzüge, öffentliche Demonstrationen, Sportveranstaltungen oder Kongresse.  

Indoor-Events oder Betriebsfeiern werden oft von privaten Veranstaltern durchgeführt, die das Fotografieren klein gedruckt auf den Veranstaltungstickets oder in den Veranstaltungs-AGBs verbieten. Hier müsste die Erlaubnis des Veranstalters zum Fotografieren eingeholt werden. Eine Veröffentlichung von Personenfotos ist in diesem Fall problematisch – die Zustimmung kann jedoch angenommen werden, wenn die Veröffentlichung vorher angekündigt wurde oder wenn offensichtlich ist, dass zum Zweck der Veröffentlichung fotografiert wird.

Eine Einwilligung der abgebildeten Person ist nicht erforderlich, wenn es sich um eine Person der Zeitgeschichte handelt. Dazu zählen z.B. Politiker, Künstler, Schauspieler, Sportler, Regierungsmitglieder, usw. Essentiell ist hier die öffentliche Relevanz des abgebildeten Vorgangs und nicht die öffentliche Relevanz der Person. Der Einkauf (Vorgang) einer bekannten Schauspielerin (Person) ist kein Ereignis der Zeitgeschichte und stellt keine Ausnahme dar.

Eine Person gilt als „Beiwerk“, wenn das Hauptaugenmerk des Fotos auf der Landschaft bzw. der allgemeinen Umgebung liegt. Hier fragt man sich am Besten, ob die Person auch weggelassen werden kann, ohne dass sich der Gegenstand und Charakter des Bildes verändert. 

Fotografen sollten vorab eine schriftliche Einwilligung mit allen wichtigen Informationen (Art und Umfang der Bildverwertung, etc.) einholen. Die Beweislast liegt immer aufseiten des Fotografen.

Er muss sich immer vergewissern, wen er fotografiert und ob die jeweilige Person ihr Einverständnis abgegeben hat. Geben Minderjährige (unter 18 Jahren) ein falsches Alter an, trägt ebenfalls der Fotograf das Risiko.

Urheberrecht von Berufsfotografen

Grundsätzlich gilt: Urheber ist derjenige, der ein Lichtbild aufgenommen hat. Aus diesem Grund stehen ihm Verwertungs-, Persönlichkeits- und Vergütungsrechte zu. Es steht ihm frei, seine Aufnahmen zu vervielfältigen, zu vermieten, vorzuführen oder zur Verfügung zu stellen. Zudem muss bei jeder Vervielfältigung klar sein, wer Urheber des Werkes ist. Der Vergütungsanspruch räumt ihm eine angemessene Entschädigung ein, wenn seine Werke ohne Einstimmung veröffentlich werden.

Besonders bei der Verwendung von Fotografien im Pressebereich sollte festgelegt werden, wo die Aufnahmen später veröffentlicht werden. Dienlich kann es auch sein, den Nutzungszeitraum anzugeben. Immer wieder kommt es hier zu Streitigkeiten zwischen Kunde und Fotograf. Aus jeder Medienmitteilung sollte deutlich erkennbar sein, dass angefügte Pressetexte sowie Pressefotos bei Nennung der Fotocredits kostenlos verwendet werden dürfen.  

Autor:
Miriam Kreiseder B.A.
PR Assistenz